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Leseproben

Die Lauten und die Leisen


Beschreibung

Wer aus der Reihe tanzt, hat es nicht immer leicht im Leben
Eine Kurzgeschichte zum schmunzeln.


Verlag:Manuskript© copyright by Silvia Möbius

Leseprobe

Die Lauten und die Leisen
Jedes Musikinstrument besitzt seine eigenen Töne.
Die Trompete klingt anders als eine Flöte oder eine Klarinette. Die Gitarre hört sich anders an als eine Viola oder wie ein Schlagzeug.
Eine kleine Querflöte wechselte oft den Besitzer,denn niemand schaffte es auf ihr fehlerfrei zu spielen. Die besten Flötisten versuchten sich an ihr, doch alle scheiterten kläglich.
Einige Musiker meinten, dieses Instrument sei verflucht, und wieder andere behaupteten, die Musiker könnten nicht richtig spielen.
Nur die Töne der kleinen Querflöte wussten es besser.
Es gab unter ihnen einen Störenfried, das kleine C.
Jeder Ton saß brav an seinem Platz und wartete auf seinen Einsatz, nur nicht das kleine C. Für ihn war die Reihenfolge nicht wichtig. Es hüpfte, wann immer es wollte, heraus, egal, wann es eigentlich an der Reihe war. Alle Töne ärgerten sich über es, doch es ignorierte diese Spielverderber und brachte so, jede Abfolge durcheinander. Die Töne waren deshalb so verstimmt, weil auch sie nicht ordentlich klingen konnten. So wunderte es niemanden, dass das Instrument, wie so oft, in einer Ecke des Orchesterraumes lag und niemand darauf spielen wollte.
Eines Tages öffnete ein junger Mann den Koffer und hob die angeblich verfluchte Querflöte heraus. Er besah sie sich von allen Seiten, zerlegte sie, reinigte sie und steckte anschließend alle Teile wieder fein säuberlich zusammen. Er hob die Querflöte an, leckte sich noch kurz über die Lippen, ehe er das Mundstück leicht gegen seine Unterlippe lehnte. Behutsam hauchte er seinen Atem hinein und verdeckte dabei mit seinen Fingern einige der Öffnungen, die sich oben und auch unten an der Querflöte befanden. Ein leiser Ton nach dem anderen hüpfte vergnügt heraus und alle gemeinsam, jeder an seiner Stelle, ergaben eine schöne und harmonische Melodie.
Das kleine C hatte sich ganz fest vorgenommen, erst herauszuspringen, wenn es an der Reihe war. Doch so sehr es sich auch bemühte, es gelang ihm nicht. Schnell drängelte es sich vor und sprang hinaus.
Der junge Mann setzte die Querflöte erstaunt ab und schaute diese etwas irritiert an. Er schüttelte seinen Kopf, schmunzelte und flüsterte leise in die Flöte :" Da ist wohl jemand etwas zu ungeduldig, wie?. "Er probierte es erneut. Das Mundstück gegen die Unterlippe gelegt und das Ganze noch mal von vorn. Wieder konnte sich das kleine C nicht beherrschen und sprang erneut viel zu früh hinaus.
Der junge Mann wurde nicht ärgerlich, ganz im Gegenteil. Nun wusste er, was zu tun war. Mit einer List wollte er dem kleinen C beibringen, an der richtigen Stelle herauszukommen.
Er spielte immer und immer wieder das gleiche Stück zehn oder zwanzigmal hintereinander. Es war eine Melodie, in der das kleine C oft hinaus musste und an manchen Stellen sogar schnell mehrmals hintereinander.
Dem kleinen C wurde ganz schwindelig und langsam, begann es müde zu werden. Der junge Mann setzte nach langem Spiel die Querflöte ab und legte sie in die Schatulle zurück. Die nächsten Tage und Wochen wiederholte er das Ganze immer und immer wieder.
Das kleine C versuchte die anderen Töne zu überreden, an seiner Stelle herauszugehen, doch diese schüttelten beharrlich ihre Köpfe. Sie bewegten sich nur nach der passenden Reihefolge, nicht früher und auch nicht später. Langsam aber sicher verging dem kleinen C, die Lust aus der Reihe zu tanzen und hüpfte fortan nur noch dann heraus, wenn es an der Reihe war. Das kleine C hatte seine Lektion gelernt.
Miteinander in der richtigen Reihenfolge gespielt, entsteht eine schöne Melodie.


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