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Leseproben

Williwatz und die Krabbelbande


Beschreibung

Jeder besitzt seinen eigenen kleinen Hausgeist. Hier die kleine Geschichte von meinen.


Verlag:© copyright by Silvia Möbius

Leseprobe

Williwatz und die Krabbelbande
Ganz still und leise zieht Williwatz durch die Räume des kleinen Hauses und sucht seine Freundin Winnifee. Die beiden spielen Verstecken, eines ihrer Lieblingsspiele. Gelegentlich erschrecken sie gerne alle, die in diesem Haus leben und manchmal auch die, die nur zu Besuch vorbeikommen. Manchmal zum Spaß lassen sie mal ein Bild schief hängen, lassen zum Schrecken aller Anwesenden eine Tasse vom Tisch plumpsen oder fegen durch die Gardinen, die sich dabei heftig aufbäumen. Gelegentlich fliegen sie durch den Bildschirm und verursachen dabei eine kurze Bildstörung. Dass der Mann panisch nach draußen läuft, um die Satellitenschüssel neu auszurichten. Dabei lachen die beiden Quälgeister so sehr, dass sie sich dabei ihre durchscheinenden Bäuche halten müssen. Am liebsten versteckt Winnifee Dinge, die Menschen ständig benutzen. Zum Beispiel der Haustürschlüssel, die Haarbürste oder die Geldbörse. Williwatz und Winnifee sitzen dann gemütlich auf der Gardinenstange und beobachten dann das Hektische suchen der Menschen. Diese laufen dann aufgeregt durch alle Räume und suchen ihre Gegenstände.
Williwatz fliegt durch die Wand vom Flur in die Küche. Er schaut in die Hängeschränke ohne die Tür öffnen, zu müssen. Er schwebt durch die Töpfe und Schüsseln, ohne auch nur einen Hauch von Winnifee zu finden.
Ihr ahnt es schon. Ja, die beiden sind Geister. Woher sie kamen weiß niemand so genau, aber das ist auch gar nicht so wichtig. Oder?
Winnifee saß im Fernsehergehäuse im Wohnzimmer und kicherte leise vor sich hin. Denn sie wusste genau, das Williwatz sie ganz sicher nicht finden würde. Er war nicht der Beste in diesem Spiel, doch dafür wusste er immer die lustigsten Streiche.
Eine kleine Familie lebt in diesem hübschen 4 Zimmerhaus, ein Mann, eine Frau und ihre kleine Tochter. Auch ein kleiner Spitzmischling namens Fritzi wohnt ebenfalls hier, der wie alle Hunde Geister und Gespenster sehen und hören kann.
Oft wunderten sich die Leute über sein seltsames Verhalten, das er die Vorhänge oder ein Bild anbellte, sie konnten ja nicht wissen, dass er damit Williwatz und Winnifee freudig begrüßte. Hunde können vieles mehr von dem, was die Menschen nicht verstehen oder wissen wollen.
Williwatz und seine Freundin Winnifee hatten mal wieder die Idee etwas zu verstecken. Der Herr des Hauses suchte seine Brille. Er hätte schwören können, dass sie eben noch auf dem Beistelltisch lag, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Doch da lag sie nicht mehr. Er lief zurück in sein Büro, hob einige Papiere hoch, öffnete alle Schubladen seines Schreibtisches nacheinander und durchsuchte sie, aber nichts, keine Spur von seiner Sehhilfe. Er stürmte in die Küche und suchte den Esstisch ab, aber auch hier war nichts zu sehen. Er lief die Treppe hoch öffnete die Tür zum Schlafzimmer, durchsuchte die Fächer seines Nachttisches, aber auch hier fand er seine Brille nicht. Völlig verwirrt stand er in der Diele und kratzte sich am Kopf. Schüttelte diesen, zuckte mit den Schultern und setzte sich auf die oberste Stufe der Treppe und ging alles in Gedanken noch einmal durch.
Winnifee schwebte nur knapp über seinem Kopf und kicherte, flog zum Versteck hinter der Flurgarderobe, holte die Brille wieder hervor und schob sie ganz sachte in seine Hemdtasche. Sie zwickte ihn ganz leicht unter seinem Arm, sodass er sich an die Stelle fasste und dabei über seine vermisste Brille strich. "Da ist sie ja" rief er erleichtert, holte sie heraus und setzte sie auf seine Nase. Sprang auf, lief die Treppe hinunter, zog sich seine Jacke über und verlies das Haus. Williwatz war dabei nicht so gnädig, manchmal gab er seine versteckten Dinge erst nach einigen Tagen wieder heraus. So wie der rote Schal des kleinen Mädchens. Erst nachdem der letzte Schnee geschmolzen war, legte er ihn wieder an seinen alten Platz zurück. Doch gefreut hatte er sich darüber nicht, denn die Kleine hatte sich wegen diesem dummen Streich eine böse Erkältung zugezogen. Das wollte er aber gar nicht und war deshalb einige Tage mit sich selbst böse. Dann verzieht er sich nach draußen in den alten Kirschbaum und brummt dabei unwirsch in seinen Bart.
Winnifee und ihre Späße
Beide fühlten sich rundum wohl in ihrem kleinen Haus. Wenn, ja wenn da nicht eines Tages etwas Sonderbares passiert wäre. Winnifee wurde von etwas gezwickt und gekratzt. Sie spürte es genau, aber sehen konnte sie nichts und niemanden.
Irritiert flog sie durch die Zimmerdecke zum Dachboden hinauf, auf dem sich Williwatz meistens aufhielt. Er lümmelte auf einem alten Ohrensessel und träumte so vor sich hin. Winnifee erzählte ihm aufgeregt, was ihr Wiederfahren war und das sie keine Erklärung dafür habe.
Er schaute sie leicht schmunzelnd an, legte seinen Kopf leicht schief und begann zu lachen. Sein fast durchscheinender Körper schien dabei zu beben. Sein etwas zu dick geratener Bauch hob sich auf und nieder dabei. "Hast du jetzt schon Wachträume oder siehst du schon tote weiße Mäuse"? Prustete er laut heraus. Winnifee drehte sich verärgert um und zog sich beleidigt in den Keller zurück und schmollte. "So ein Blödgeist" schimpfte sie immer wieder und war sich nun selbst nicht mehr sicher, ob sie es wirklich erlebt hatte oder tatsächlich träumte.Als ihr Unmut verraucht war, flog sie gemütlich durch alle Räume des Hauses und dachte sich neue Streiche aus. Die sie den lebenden Bewohnern spielen könnte.
Vielleicht könnte sie mal wieder die Bilder schief hängen oder aber das Essen versalzen. Das macht richtig Spaß, wenn die Lebenden angewidert ihre Gesichter verziehen. "Ich könnte allerdings auch die weiße Schuhcreme mit der Zahnpasta vertauschen". "Dann husten und spucken sie und beschimpfen sich gegenseitig". Allein die Vorstellung lies ihre Laune wieder steigen. Williwatz verspürte plötzlich einen heftigen Stich an seiner fülligen Seite. Er flog erschrocken auf, rieb sich die getroffene Stelle und schaute leicht verwirrt auf seinen Ohrensessel. Eine kaputte Feder schaute heraus, aber die hätte ihn nicht stechen können. Doch er sah weit und breit nichts und niemanden, der ihn hätte pieksen können. Er kratzte sich leicht verärgert an der Stelle und grübelte vor sich hin. "Komisch ist das schon" dachte er so bei sich. Sollte Winnifee doch recht haben? Er schwebte durch den Holzfußboden ins Badezimmer hinunter, machte es sich in der Badewanne gemütlich und dachte noch einmal über alles in aller Ruhe nach.Zu einem Ergebnis kam er allerdings nicht. Winnifee entschied sich für die schiefen Bilder. Denn sie wollte die Lebenden ja nur ärgern und nicht verletzen. Sie waren schließlich liebe Geister und keine Quälgeister. Winnifee fegte durch die Bilder, die sich dabei verschoben und schief hängen blieben. Williwatz beschäftigte das Ganze doch sehr, so schwebte auch er durch alle Räume um sich umzusehen, ob ihn da ein anderer Geist heimgesucht hatte. Er schaute in allen Räumen nach, doch so sehr auch suchte, fand er nichts und niemanden. Winnifee und Williwatz trafen sich im unteren Flur, doch Winnifee war ihm noch immer böse und sprach deshalb kein Wort mit ihm. Sie flog an ihm vorbei und beachtete ihn überhaupt nicht. Sie erhob ihren Kopf und behandelte ihn wie Luft. Williwatz schwebte neben ihr und versuchte so gut er konnte, sich zu entschuldigen. Erst als er ihr von seinem Vorfall erzählte, schaute sie ihn erstaunt an. "Wir sind nicht mehr allein" vermutete Winnifee und Williwatz hatte große Angst vor einem Poltergeist. Die flogen nämlich durch die Lande und ließen sich dort nieder, wo es ihnen gerade gefiel.
Winnifee und Williwatz spielten den Menschen zwar gerne Streiche, aber die Mutigsten waren sie nicht gerade.
Ängstlich schwebten sie dicht an dicht beieinander durch die Räume und suchten alles ab. Aber so gründlich sie auch schauten, wurden sie nicht fündig. Enttäuscht zogen sie sich wieder auf den Dachboden zurück und schauten den Kopf nach unten hängenden Fledermäusen beim schlafen zu. Ab und zu flog auch mal ein Vogel durch die Lüftungslöcher herein. Setzte sich auf einen der alten Balken, putzte sein Gefieder, wetzte seinen Schnabel am Holz und flatterte wieder hinaus. Immer wieder bauten Vögel, Wespen und Hornissen ihre Nester an und auf die Balken, doch die Untermieter störten die Beiden überhaupt nicht.
Unter allen Hausgeistern gab es die Vermutung, das die Poltergeister zugezogen sein könnten. Doch dafür ist es viel zu ruhig, denn dies machen nichts als Ärger und würden alles dafür tun, um die Lebenden zu vertreiben. Also muss da doch etwas anderes dahinterstecken. Wilde Vermutungen wurden geäußert, jeder konnte von seinen Erlebnissen dieser Art berichten. Doch gesehen hatte keiner etwas.
Nach der mitternächtlichen Geisterversammlung flogen alle mit einem mulmigen Gefühl, zurück in ihre Häuser und Scheunen und durchsuchten alles erneut, doch ohne Erfolg. Täglich kamen neue Attacken dazu, ohne das man etwas oder jemanden gesehen hatte. Angst und Unsicherheit verbreitete sich in der gesamten Geistergemeinde. Auch Williwatz und Winnifee verging der Spaß daran, die Menschen, in ihrem Haus zu verärgern. Sie selbst erschraken bei jedem noch so kleinen unerklärlichen Geräusch.
Bis, ja bis eines Tages etwas sehr seltsames passierte. Winnifee schwebte mal wieder durch ihr Häuschen, als sie etwas zwickte. Sie schaute an sich herunter und entdeckte einen fast durchscheinenden Floh an ihrer Hüfte, der sie gerade frisch anzapfte. Sie schlug mit ihrer Vierfingerhand auf diesen Übeltäter , so das dieser von ihr abfiel. Dieser schüttelte sich kurz, schaute Winnifee wütend an, sprang in eine Zimmerecke und verschwand. Winnifee rieb sich über die getroffene Stelle und überlegte, was oder wer das gerade gewesen sein konnte. "Seid wann gibt es denn Geisterflöhe" überlegte sie. Winnifee und Williwatz geisterten schon seid vielen Hundert Jahren, aber so etwas hatten sie noch nicht erlebt. Geisterhund und Pferde, ja die kannte man, aber Krabbeltiere, das war ihnen neu.
Nachdem sie sich beruhigt hatte, flog Winnifee zu Williwatz und erzählte ihm alles ganz genau. Williwatz rieb sich seinen leicht durchscheinenden Kopf und schüttelte diesen immer wieder."Nein, so etwas habe ich noch nicht gekannt" hauchte er in den Raum. "Lass uns eine Versammlung einberufen und den Anderen die Neuigkeiten zu verkünden". Winnifee schickte ihre Gedanken zu den anderen Geistern los. Denn so verständigten sie sich untereinander. Geist sein hatte schon gewisse Vorteile. Kein lästiges telefonieren oder von Haus zu Haus laufen. Man schickt einfach seine Gedanken zu jedem Geist, der es wissen soll. Binnen kürzester Zeit wussten alle Geister in der Siedlung bescheid und trafen sich wie immer in der alten, verfallenen Scheune am Rande der Siedlung.
Alle redeten aufgeregt durcheinander und keiner wusste was zu tun war. Also beschloss man den Großgeist zu rufen, damit er ihnen helfen könnte. Dieser wusste alles, er war so alt wie die Zeit und nichts war ihm fremd. Doch da irrten sie sich, auch der Großgeist schüttelte bedächtig sein mächtiges Haupt. So etwas hatte auch er noch nicht erlebt. Geisterinsekten, davon hatte er noch nichts gehört.


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