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Leseproben

Erzähl mir nichts vom lieben Gott


Beschreibung

Jugendliche zwischen Gott und der Gesellschaft.
Daraus wird in ferner Zukunft ein Drehbuch für eine Schulaufführung.


Verlag:© copyright by Silvia Möbius

Leseprobe

Franz ist ein junger Bursche aus einer Kleinstadt. Er ist 14 Jahre alt und wie alle Jugendlichen in seinem Alter emotional hin und her gerissen. Er wurde wie viele in Bayern katholisch getauft und auch entsprechend erzogen.
Als Kind liebte er es, wenn er mit seiner Mutter abends das Gutenachtgebet vor seinem Bettchen knieend betete.
Seine leuchtenden Augen, wenn er in der Kirche saß, sich umschaute und dazu noch die Orgel erklang. Wie stolz er war, als er zum ersten mal zur heiligen Kommunion gehen durfte, auch die Firmung war für Franz ein einmalig tolles Ereignis.
Heute lauscht er noch immer seiner Oma beim Erzählen von Bibelgeschichten. Er liebt diese Stunden, denn niemand kann so spannend erzählen, wie seine geliebte Oma.
Bei seinen Freunden sieht das etwas anders aus, da ist es uncool so etwas zuzugeben. Wenn er mit den Kumpels um die Häuser zieht, wird eher darüber gelacht, gelästert und verspottet. Franz findet das eigentlich nicht Ok, aber das kann man doch nicht zugeben.
Oft sitzt Franz an seinem Schreibtisch und bittet Gott um Beistand für die bevorstehende Prüfung, das Susi ihn endlich beachtet oder weil er eine schlechte Note bekommen hat und er Angst vor der Reaktion seines Vaters am Abend hat. Auch das Danken vergisst er nicht, wenn es super gelaufen ist. Franz besucht die Kirche schon längst nicht mehr, denn er könnte ja gesehen werden und doch betet er häufig auch für andere.
Zum Beispiel für einen Klassenkameraden, der an Leukämie erkrankt ist. Besonders mag er ihn nicht, aber so eine Krankheit hat keiner verdient. Also betet er zu Gott und zu Jesus, damit bald ein passender Spender gefunden wird, um seinen Klassenkameraden zu heilen.
Wenn er mit seinen Eltern abends die Nachrichten anschaut und man wieder so viel Gewalt und Elend sieht, dann blickt er stumm nach oben und bittet darum, dieses doch zu beenden.
Manchmal zweifelt er auch an ihm. Wenn seine Gebete nicht erhört wurden, fragt er ihn schon mal, ob er ihn nicht gehört hat und ob Gott vielleicht zuviel zu tun hat.
Gelegentlich schimpft Franz auch Gott aus, denn für seinen Klassenkameraden wurde immer noch kein geeigneter Spender gefunden. " Dann nehme ich es eben selbst in die Hand, du hast anscheinend keine Zeit für mich". Er ist richtig sauer auf ihn und nimmt das Ganze nun selbst in die Hand. Franz setzt sich an seinem PC und verfasst einen Aufruf.
Knochenmarkspender für einen Freund gesucht!!!
So lautete die Überschrift. Er druckte Hunderte von Blätter aus und brachte sie in die verschiedensten Geschäfte. Viele Absagen holte er sich ab, doch bei seinem Pfarrer stieß er auf offene Ohren. Dieser versprach ihm, den Aufruf am nächsten Sonntag bei der Predigt zu verlesen. Franz bat ihn nur noch darum, das er nicht erwähnt wird, da ihm es peinlich wäre, das dachte sich Franz, denn aussprechen konnte er es ja schlecht bei seinem Pfarrer.
wenn das die Kumpels erfahren würden, dann wäre er abgeschrieben. So etwas kann man doch nicht bei denen zugeben, die lachen mich ja aus. Solche Gedanken liefen ihm durch seinen Kopf, doch eigentlich war er schon stolz auf seine Tat.
Franz sitzt mit seinen Freunden auf einer Bank an der Skaterbahn und langweilen sich. Michael raucht eine Zigarette, Rolf schnitzt mit einem Taschenmesser an der Bank herum und Hasan dreht mit seinem Brett einige Runden. Franz bewundert Hasan dafür, das er zu seinem Glauben offen steht und auch nicht ein einziges mal in seiner Ansicht darüber schwankt. Franz traut sich nicht so recht ihn darauf anzusprechen, also wartet er auf einen passenderen Moment. Michael und Rolf verabschieden sich plötzlich, wenden sich ab und gehen davon ohne weitere Erklärung. "Du Hasan" räusperte sich Franz. Er fühlte seine Knie zittern, doch seine Neugierde war doch größer. " Du, sag mal, wie ist das mit deinem Glauben an Gott?" Hasan legte sein Brett beiseite, setzte sich neben Franz und sah ihn erst einmal etwas irritiert an. " Was hast du mich gerade gefragt?" Konterte Hasan. "Na ja, ich wollte wissen, wieso du so fest an deinem Glauben festhältst, obwohl die anderen und auch ich so über unseren Gott lästern". " Allah gehört zu meinem Leben, ich wurde nach dem Koran erzogen und ich lebe auch danach. Für mich gibt es diese komischen Diskussionen nicht, die ihr miteinander habt." Hasan verstummte und schaute Franz fragend an. In Franz Kopf sausten die Gedanken hin und her. Er schaute Hasan ins Gesicht und meinte dann kleinlaut" weißt du, auch ich bin Gläubig, ich wurde nach der Bibel und dem katholischen Glauben erzogen. Ich glaube an Gott und doch habe ich das Gefühl, es vor den anderen verbergen zu müssen, damit ich nicht als Loser dastehe.
Michael und Rolf sind doch so coole Typen, denen gegenüber kann ich doch nicht zugeben das ich an Gott glaube, die lachen mich ja aus.
Hasan schüttelt seinen Kopf und schaut Franz fassungslos an. "Hast du denn überhaupt nichts gelernt?, so etwas wie Stolz auf seine Herkunft und auf seinen Glauben sein?" . Wieso ist es dir peinlich vor diesen beiden Triefnasen, zuzugeben, das du an deinen Gott glaubst?
"Ich weiß ja nicht, wie es bei euch Christen ist, aber bei uns Moslems wächst man damit mit der Zeit zusammen, das eine geht nicht ohne das Andere.
Hasan ergreift sein Brett, dreht sich um und lässt den verdutzten Franz alleine auf der Bank sitzend zurück.


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